Impfungen (Herpes Zoster, FSME, Pneumokokken) in der neurologischen Prävention
In der Vorbeugung von neurologischen Erkrankungen sind Impfungen ein wesentlicher Bestandteil. In unserem Artikel werden die wichtigsten Impfungen dargestellt und bewertet. Manche Impfungen sind wesentlicher Bestandteil des Impfkalenders in der Kinderheilkunde und betreffen uns Erwachsene weniger und werden hier nur kurz dargestellt, andere sind gerade im Erwachsenenalter bedeutsam. Immer mehr erforscht wird der Zusammenhang von infektiösen Erkrankungen wie beispielsweise der Varzella Zoster virus und kardiovaskulären bzw. degenerativen Erkrankungen wie der Alzheimererkrankungen oder der koronaren Herzerkrankung.
Impfungen gegen bakterielle Hirnhautentzündungen
Bakterielle Hirnhautentzündungen sind oft schwerwiegend verlaufende lebensbedrohliche Erkrankungen, die in Abhängigkeit vom Keim mit einer Todesrate von 10-15% verbunden sind. Impfungen gegen diese Erkrankungen sind unabdingbar. In Mitteleuropa konnte die Häufigkeit von bakteriellen Hirnhautentzündungen erfreulicherweise von 6,4/100.000 jährlich auf 1,6/100000 Erkrankungen durch die vorhandenen Impfprogramme gesenkt werden. Impfungen existieren gegen die Keime Haemophilus influenzae, Neisseria meningitidis werden als Standardimpfung für Kinder dringend empfohlen. Die Impfung gegen Streptokokkus pneumoniae wird für Erwachsene über 60 Jahren als Standardimpfung empfohlen.
Impfungen gegen virale Hirnhautentzündungen (FSME/Masern Impfung):
Virale Hirnhautentzündungen sind vom Verlauf her oft milder als bakterielle Hirnhautentzündungen. Häufig äussern sie sich in Form von Fieber und Kopfschmerzen und vergehen nach einigen Tagen wieder. Allerdings gibt es auch hier Keime die häufiger mit schwereren Verläufen und neurologischen Ausfällen einhergehen können als andere (z.B. Masern) oder nicht nur die Hirnhäute, sondern auch das Gehirn an sich befallen können (sog. Encephalitis oder Meningoencephalitis). Ein Beispiel für eine durch Impfung vermeidbare virale Hirnhautentzündung ist- neben der kindlichen Masernimpfung- die FSME (Frühsommermeningoencephalitis). Diese wird durch Zecken übertragen. Bei schweren Verläufen besteht insbesondere das Risiko für schwere Rückenmarksentzündungen (Myelitiden) mit Lähmungen des Körpers. Die Anzahl der Erkrankungen durch FSME haben sich im Zeitraum von 2002-2022 im Vergleich zu den 20 Jahren davor verdreifacht. Die Impfung gegen diesen Virus wird für Personen empfohlen, die sich in Risikogebieten aufhalten bzw. leben. Zusätzlich wird empfohlen, in diesen Gebieten bei Aufenthalt in Wäldern, Wiesen etc. lange Kleidung zu tragen mit z.B. abweisenden Materialien/Sprays und sich danach am ganzen Körper auf Zecken abzusuchen (und ggf. zu entfernen). Dies kann auch helfen, eine sogenannte Lyme Borreliose zu verhindern, die zweite Erkrankung, die durch Zecken übertragen werden kann (aber nicht durch Impfung zu vermeiden ist).
Varizella Zoster Virus (Herpes zoster)
Der Varizella Zoster Virus verursacht im Kindesalter die Windpocken. Die meisten erwachsenen Personen hatten bereits Kontakt mit diesem Virus (Durchseuchungsrate 95-98%). Doch ist dieser Keim keineswegs nur für Kinder relevant:
Im Erwachsenenalter kann der Virus zu einem Herpes zoster führen: Herpes zoster kommt durch eine Reaktivierung des Virus zustande, dass heisst der in den Nervenganglien bereits seit Jahren vorhandene Virus wird wieder aktiv und führt zur Symptomatik der „Gürtelrose“. Hierbei kommt es zu (segmental auftretenden) Bläschen verbunden mit oft starken Schmerzen. Die Häufigkeit liegt bei 5-10 von 1.000. In seltenen Fällen kann dies zu einer viralen Hirnhautentzündung kommen oder einem Befall der Gehirngefässe, einer sog. Vaskulopathie, die auch zu Schlaganfällen führen kann.
Bei 8-21% der Patienten kommt es zur sogenannten Post-herpetischen Neuralgie, die mit sehr starken und lange anhaltenden Schmerzen verbunden sein kann.
Besondere Bedeutung hat die Impfung gegen Herpes zoster in der letzten Zeit durch neue Forschungserkenntnisse bekommen: sie verhindert nicht nur das Auftreten von Herpes zoster sondern reduziert das Risiko, an Alzheimer Demenz zu erkranken!
Warum das so ist, ist noch nicht ganz klar. Vermutet wird z.B., dass eine subklinische Reaktivierung des Virus die sogenannte Neuroinflammation (also Entzündung im Gehirn) triggern kann (und dies durch die Impfung verhindert wird). Dies trägt teilweise zur Entwicklung der Demenz bei. Frauen haben erstaunlicherweise mehr von der Impfung profitiert als Männer. Mit Spannung warten wir auf weitere Forschungsarbeiten aus diesem Gebiet!
Fazit ist: Impfungen können Leben retten und ernsthafte Erkrankungen verhindern, auch im neurologischen Fachgebiet. Zur Verhinderung von Infektionskrankheiten kommen auch immer mehr Hinweise auf, dass Impfungen auch das Risiko für degenerative Erkrankungen vermindert werden können. Die Vorteile der Impfungen sind oft zu wenig bekannt. Wenn sie sich diesbezüglich beraten lassen möchten, vereinbaren sie einen Termin im Neurozentrum Arabellapark!
Impf Check ab 60:
□ Varizella Zoster Virus
□ Pneumokokken Impfung
□ Influenza Impfung
