Modell eines Gehirns zur Krankheitserklärung von Multipler Sklerose.

Therapie von Multiple Sklerose und andere entzündliche Erkrankungen in München

Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung des Nervensystems, die dadurch bedingt ist, dass das körpereigene Immunsystem (fälschlicherweise) Teile der Nervenfasern und von Nervenzellen zerstört. Diese Art von Erkrankungen nennt man „autoimmun“ also eine Entzündung durch das eigene Immunsystem. Die Nervenfasen sind maßgeblich an der Weiterleitung von Impulsen beteiligt, dadurch wird diese Weiterleitung gestört. Je nach Ort der Entzündung im Nervensystem kann der Patient verschiedene Beschwerden haben (z.B. Sehstörungen, Missempfindungen, Lähmungen, Koordinationsstörungen, Blasenstörungen). Die Erkrankung erfolgt meist zunächst in Schüben, der Verlauf kann sehr unterschiedlich sein. Manchmal geht MS in einen chronisch fortschreitenden Verlauf über und verläuft dann nicht mehr so sehr oder gar nicht mehr in Schüben.

Wie wird die Diagnose „MS“ gestellt?

Das wichtigste ist die Durchführung eines Kernspintomogramms vom Gehirn und ggf. auch von der Wirbelsäule. Auch die Messung der sensiblen Bahnen (SEP) und der Sehbahnen (VEP) ist von Bedeutung. Falls sich im Kernspin Entzündungsherde zeigen, sollte eine Nervenwasseruntersuchung erfolgen. Im Regelfall ist dies auch ambulant gut möglich. Hier kann man bestimmte Parameter untersuchen (Entzündungszellen, Eiweiß, Immunglobuline), anhand derer andere Entzündungen (also z.B. Infektionen mit z.B. Borrelien) ausgeschlossen werden können und die Diagnose einer Multiplen Sklerose erhärtet werden kann.

Anschließend sollten alle Befunde und Diagnosen gemeinsam mit Ihrem Arzt besprochen werden. Wenn Sie unter einer Multiplen Sklerose leiden, erfolgt die Auswahl eines Medikamentes, welches ihrem Immunsystem hilft, diese falsche Reaktion zu unterdrücken.

Die Entwicklung von Medikamenten gegen diese falsche Immunreaktion schreitet stark voran, in den letzten Jahren wurden erfreulicherweise etliche Medikamente zur Verringerung dieser Reaktion zugelassen, so dass der Arzt individuell das richtige Medikament für den Patienten mit Multiple Sklerose suchen kann. Eine frühe und passende Medikation beeinflusst den Krankheitsverlauf wesentlich. In späteren Phasen (also z.B. bei einem rein fortschreitenden Verlauf) sind die medikamentösen Optionen geringer.

Zusätzliche Beschwerden bei Multiple Sklerose

Neben den oben beschriebenen „Ausfallserscheinungen“ des Nervensystems treten oft auch andere Störungen auf, wie z.B. Gedächtnis- /Aufmerksamkeit- und Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen oder Schmerzen. Ein sogenanntes „Fatigue“- Syndrom ist ein Erschöpfungs- und Müdigkeitssyndrom, welches die Patienten oft dazu bringt, sich weniger zu bewegen und sie außergewöhnlich müde macht. Ebenso können durch die Erkrankung Depressionen oder andere psychische Probleme auftreten.

Auch diese Beschwerden sollten beachtet und untersucht werden (z.B. neurologisch, neuropsychologisch und ggf. psychiatrisch). Spezielle Therapieformen für Multiple Sklerose Patienten wie ein neuropsychologisches Training, antidepressive Medikamente und körperliche Aktivierung sind hier erforderlich. Ggf. kann auch die Einleitung einer Rehabilitation sinnvoll sein. Zuhause sollten sie regelmäßig Physiotherapie sowie ggf. Ergotherapie und eine neuropsychologische Therapie erhalten (zumindest wenn sie bleibende Ausfälle haben).

Was kann der MS Patient selber zum Krankheitsverlauf beitragen?

Früher riet man Multiple Sklerose Patienten davon ab, sich sportlich zu betätigen, heute weiß man, dass regelmäßige Bewegung und ein aktives Leben den Krankheitsverlauf und das Befinden von Patienten deutlich positiv beeinflusst. Sie können also einen wesentlichen Beitrag zu ihrem allgemeinen Wohlbefinden und dem Krankheitsverlauf beitragen, indem Sie aktiv bleiben, sich geistig fordern und sich regelmäßig bewegen. Oftmals ist dies aber mit starken Symptomen (z.B. Fatigue) leichter gesagt als getan. Eine vorübergehende mögliche Verschlechterung der Beschwerden durch Sporttreiben kann die Multiple Sklerose Patienten verunsichern.

Gemeinsam können wir zunächst betrachten, wie ihr aktueller neurologischer und allgemein körperlicher Fitnesszustand ist. Anschließend können wir gemeinsam ein Trainingsprogramm erstellen oder sie in Kleingruppen bei uns trainieren- ganz individuell auf sie abgestimmt. Unser Fachpersonal ist speziell neurologisch geschult und betreut Sie gerne.

Sport erhöht nicht nur ihr allgemeines Wohlbefinden, es vermindert Beschwerden wie Fatigue, Depressionen, kognitive Beschwerden und trägt positiv zum Krankheitsverlauf bei. Auch in Sachen Ernährung bei MS beraten wir Sie gerne. Eine spezielle „Diät“ zur Heilung der MS existiert auf wissenschaftlich untersuchtem Niveau leider nicht. Dennoch gibt es einige Dinge, die sie auch bei der Ernährung beachten können, um Ihre Erkrankung positiv zu beeinflussen. Vereinbaren Sie sich gerne hierfür einen Termin zur Ernährungsberatung.

F: Wie äußert sich eine Multiple Sklerose (MS)?

A: Eine Multiple Sklerose kann sich in vielen Beschwerden äußern, je nachdem, welche Gehirnregion beim Patienten von der Entzündung betroffen ist. Ein Schub kann sich z.B. in Sensibilitätsstörungen (Kribbeln, Taubheit etc.), Lähmungen, Gangstörungen, Koordinations- und Sprachstörungen oder Sehstörungen äußern. Zusätzlich kann es im Verlauf zu Müdigkeitssymptomen, Blasenstörungen und Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen kommen. Derartige neurologische Beschwerden sollten immer abgeklärt werden.

F: In welchem Alter tritt MS auf?

A: Das Erstauftreten einer MS geschieht meist bei Menschen in jungem bis mittlerem Lebensalter (zwischen 20-40 LJ), es sind anteilig insgesamt mehr Frauen als Männer betroffen. Allerdings gibt es auch Fälle, die bereits im Jugendlichenalter oder in höherem Lebensalter auftreten, diese sind aber nicht so häufig.

F: Welche Formen von Multiple Sklerose gibt es? Wie verlaufen sie?

A: Es gibt sehr unterschiedliche Verlaufsformen einer MS, daher kann man bei einem Erstauftreten auch nicht vorhersehen, wie beim Einzelnen die Erkrankung verläuft. Die häufigste Form ist die sogenannte schubförmig-remittierende MS, d.h. es treten Schübe (in unterschiedlicher Häufigkeit) auf, deren Symptome sich meist (auch mit einer Cortisonstoßtherapie) wieder deutlich bessern bzw. verschwinden. Manchen Patienten haben einen sehr milden Verlauf und es bleibt bei hin und wieder auftretenden Schüben. Bei anderen Patienten können diese Schübe auch schwerer sein und evtl. Symptome dauerhaft bestehen bleiben. Bei einigen Patienten geht diese Form in eine „sekundär chronisch progrediente“ Verlaufsform über. Bei diesen kommt es nach einer Phase mit Schüben zu einer kontinuierlichen Verschlechterung der Hirnfunktionen, d.h. es kann zu einer fortschreitenden Gangstörung, Sensibilitätsstörungen und kognitiven Beschwerden kommen. Eine andere, aber seltene Form der MS ist die „primär progrediente MS“, d.h. die Symptome treten nicht in Schüben auf, sondern verschlechtern sich von Beginn an kontinuierlich.

F: Welche Therapiemöglichkeiten gibt es für Menschen mit Multipler Sklerose?

A: Bei der Multiplen Sklerose gibt es erfreulicherweise sehr viel Forschungsarbeiten und es gibt eine ganze Reihe von Medikamenten, die mittlerweile schon routinemäßig im Einsatz sind. Prinzipiell ist es so, dass für die schubförmigen Formen mittlerweile gut und effektive Medikamente im Einsatz sind, da die aktiven Entzündungen im Gehirn gut bekämpft werden können (z.B. Interferone, Dimethylfumarat, Fingolimod, Natalizumab etc.). Für die chronische Verlaufsform bestehen aber noch wenige Optionen, da es sich hierbei auch um einen Hirnabbau handelt, den man durch Entzündungshemmung schlecht bekämpfen kann. Es gilt: eine frühe und effektive Therapie verbessert den weiteren Verlauf und den Behinderungsgrad in den darauffolgenden Jahren. Im Schub sollte unabhängig von der Basistherapie immer eine rasche Vorstellung beim Arzt erfolgen um eine sehr effektive Cortisonstoßtherapie durchzuführen. Zusätzlich zur medikamentösen Therapie ist regelmäßige Bewegung und Sport ein wichtiger Therapiebestandteil, zusätzlich je nach Beschwerden Ergotherapie, neuropsychologische Therapie und Physiotherapie.