Wenn Schlaf nicht erholsam ist: Was neue Forschung über Insomnie zeigt

Warum manche Menschen schlecht schlafen, obwohl die klassische Schlafuntersuchung unauffällig ist

Schlechter Schlaf ist mehr als ein nächtliches Ärgernis. Menschen mit chronischer Insomnie berichten häufig von langem Wachliegen, häufigem Aufwachen oder dem Gefühl, trotz ausreichender Schlafzeit am nächsten Morgen nicht erholt zu sein. Doch was passiert eigentlich im Gehirn, wenn Schlaf dauerhaft nicht erholsam ist?

Eine aktuelle Studie liefert hierzu interessante neue Erkenntnisse. Untersucht wurden mehr als 1.000 Menschen mit chronischer Insomnie. Dabei richtete sich der Blick nicht nur auf die klassische Schlafarchitektur, sondern insbesondere auf den REM-Schlaf und sehr kurze Aufwachreaktionen, sogenannte Arousals.

Der Schlaf kann unruhiger sein, als es auf den ersten Blick erscheint

Beim REM-Schlaf treten unter anderem besonders intensive Gehirnaktivität und Träume auf. Er ist ein wichtiger Bestandteil eines normalen Schlafzyklus. Die aktuelle Untersuchung deutet darauf hin, dass Menschen mit chronischer Insomnie während dieser Schlafphase häufiger sehr kurze Aktivierungsreaktionen des Gehirns zeigen können.

Interessant ist dabei: Solche Veränderungen müssen nicht zwangsläufig dazu führen, dass Betroffene sich an vollständiges Aufwachen erinnern. Der Schlaf kann also subjektiv oder qualitativ beeinträchtigt sein, obwohl die klassische Untersuchung zunächst wenig Auffälliges zeigt.

Damit rückt eine wichtige Frage stärker in den Mittelpunkt: Reicht es aus, nur zu betrachten, wie lange jemand schläft und welche Schlafstadien erreicht werden?

Was bedeutet das für die Schlafmedizin?

Die Ergebnisse sind vor allem deshalb interessant, weil sie unser Verständnis von Insomnie erweitern. Schlafstörungen lassen sich möglicherweise nicht immer allein anhand grober Messwerte erklären. Feinere Veränderungen der Schlafstruktur und der Gehirnaktivität könnten zusätzliche Informationen liefern.

Für die medizinische Praxis bedeutet das allerdings nicht, dass bei jeder Schlafstörung sofort eine aufwendige Spezialanalyse vor Ort im Schlaflabor erforderlich ist. Die Diagnose und Behandlung einer chronischen Insomnie beruhen weiterhin auf einer sorgfältigen Anamnese und einer individuellen Betrachtung der Beschwerden. Bei bestimmten Symptomen kann zusätzlich eine Untersuchung mit Geräten sinnvoll sein, die man in der Praxis anbringen kann und die der Patient mit nach Hause nehmen kann. Hier kann der Patient unter alltäglichen Bedingungen seinen Schlaf (incl. der „Arousals“) analysieren lassen.  Nur in ausgewählten Fällen ist der Besuch im Schlaflabor noch notwendig (z.B. zur Anpassung einer Maske, bei epileptischen Anfällen/ Narkolepsiediagnostik oder anderen komplexen Fragestellungen) .

Schlaf und Nervensystem eng miteinander verbunden

Gerade in der Neurologie ist der Zusammenhang zwischen Schlaf und Gehirn besonders relevant. Schlaf beeinflusst unter anderem Gedächtnis, Konzentration, Stimmung und die Regulation zahlreicher neurologischer Prozesse. Umgekehrt können neurologische Erkrankungen und bestimmte Medikamente den Schlaf verändern.

Die aktuelle Forschung zeigt deshalb vor allem eines: Schlaf ist kein passiver Zustand, sondern ein hochkomplexer Prozess des Nervensystems. Je genauer wir seine verschiedenen Ebenen verstehen, desto besser können Schlafstörungen künftig diagnostiziert und behandelt werden.

Wenn Sie über längere Zeit schlecht schlafen, häufig nachts aufwachen oder sich trotz ausreichender Schlafdauer dauerhaft nicht erholt fühlen, sollte dies ärztlich abgeklärt werden. Gemeinsam lässt sich herausfinden, ob eine behandlungsbedürftige Schlafstörung vorliegt und welche Untersuchung beziehungsweise Therapie sinnvoll ist.

 

Hanif U, Crosbie F, Aloulou A, Romano F, Sauvet F, Jennum P, Solelhac G, Leger D. REM sleep fragmentation and arousability distinguish chronic insomnia subtypes and reflect subjective-objective sleep discrepancy. Sleep Med. 2026 Nov;147:109165. doi: 10.1016/j.sleep.2026.109165. Epub 2026 Jul 24. PMID: 42503244.

autorin: Nicole Xynos, MSc